8steps2yoga Blog:

Vom Müssen und vom Wollen

 

10. März 2022

 

In der Vergangenheit war mein Denken und Handeln beherrscht von Sätzen, die mit „Ich muss….“ begonnen haben. Selbst Dinge, die mir Freude bereitet haben, sind zu einem Muss geworden und haben dadurch ihren Glanz verloren.

 

Ich muss Yoga machen, um eine gute authentische Lehrerin zu sein. Ich muss meditieren um mich zu entwickeln, ich muss joggen gehen, um abzunehmen und fit zu werden. Denn ich fühlte mich nicht authentisch, schön und fit genug.

 

Ich war immer unzufrieden mit mir. Ich war nie genug. Und ich glaubte, wenn ich nur hart genug an mir arbeite und nur genug mache, dann werde ich irgendwann gut genug sein. Aber was bedeutet überhaupt gut genug? Und was ist dann? Darf ich dann glücklich sein? Und mal ehrlich: Ich habe mich nie ganz wohl gefühlt – egal mit welchem Gewicht.

 

Es macht mich traurig zu erkennen, dass ich keine Lust mehr habe auf die Dinge, die mir immer Freude bereitet haben, weil sie zu einem Muss geworden sind. Ich habe meine Lebensfreude verloren. Und ich finde mich wieder in einer Leere, in der mir klar wird, dass ich vor lauter Müssen und Selbstoptimierung gar nicht mehr weiß, was ich eigentlich will.

 

Einfach mal zufrieden sein und das machen, was mir Spaß macht? Unvorstellbar! Erst muss ich…… damit ich.... und dann….. Aber dieses Dann kommt nie. Und wenn es doch kommt, bleibt es nur kurz, denn mein Ego findet schnell den nächsten Fehler an mir, den ich beseitigen muss.

 

Kann ich da aussteigen? Das „Ich muss...“ in meinem Kopf ist sehr laut. Und wenn ich mich frage, was ich möchte, bleibt es still, bis das nächste „Ich muss…“ kommt. Aber mit Geduld und Ruhe glaube ich ganz fest daran, dass ich das „Ich möchte…“ aus meinem Herzen irgendwann hören werde und dass es mit der Zeit deutlicher wird.

 

Diese Erkenntnis und Klarheit ist ganz frisch und ich fühle mich unsicher. Mit Sicherheit werde ich noch öfter in diese Falle tappen. Aber ich eins weiß ich:

 

Ich will mein Leben wieder genießen! Ich möchte zufrieden sein und mich annehmen wie ich bin. Ich möchte die Energie, die ich bisher in meine krankhafte Selbstoptimierung gesteckt habe, in Dinge investieren die mir und anderen Freude bereiten.

 

Diese Dame hier auf dem Bild erinnert mich daran Yoga zu üben, weil es mir gut tut und dass ich weder die 2. Ashtanga Serie vorturnen muss, um eine gute Lehrerin zu sein, noch brauche ich eine Figur wie ein Soldat, um gemocht zu werden.

 

Wenn ich zufrieden bin und Ruhe und Freude ausstrahlen kann, ist das für mich und mein Umfeld viel wichtiger und heilsamer.

 

Ich schreibe diese Dinge, die mir eigentlich total peinlich sind, und teile sie öffentlich, weil ich glaube, dass ich nicht die einzige bin, der es so geht. Und wenn es noch einen Menschen gibt, der ähnliche Probleme hat, dann möchte ich, dass Du weißt, dass Du nicht allein bist und dass es nie zu spät ist für Heilung!

 

39 Jahre lang bin ich durch mein Leben gesaust und konnte mit mir selber nicht Schritt halten. Immer auf der Jagt danach endlich gut genug zu sein. Selbst das Yoga habe ich ab einem gewissen Punkt für diesen Zweck missbraucht.

 

Das heißt nicht, dass alles schlecht war und dass ich nie Spaß hatte oder mich nie glücklich gefühlt hätte. Gewiss nicht. Aber ich war permanent getrieben und konnte die meisten Dinge nicht in vollem Umfang genießen. Deshalb setze ich jetzt ein STOPP! Und fange diesmal langsam an….

 

Ab nächster Woche starten wieder die ersten Kurse in Detmold, online wird nach und nach allmählich dazu kommen. Ich danke meinen TeilnehmerInnen für Euer Verständnis und Eure Unterstützung!

 

Om Shanti Shanti Shanti

Deine Gauri

 

Inspiriert durch meinen Freund und Coach Dennis Wittmann – Danke!

Internationaler Frauentag – Was bedeutet das für mich?

 

Heute am Dienstag, den 8. März 2022 ist Internationaler Frauentag – so hat es mir heute morgen mein Handykalender angezeigt. Wie das zu diesem Datum zu stande gekommen ist, weiß ich nicht, aber Frauentag finde ich super und ich möchte dir hier in den folgenden Zeilen erzählen warum.

 

In unserer Gesellschaft sind die Rollen von Männern und Frauen im Kollektiv ein ganzes Stück weit verloren gegangen, was zu viel Unsicherheit auf beiden Seiten führt. Woran das liegt kann ich nicht sagen. Vielleicht hat es mit dem 2. Weltkrieg zu tun, als viele Männer nicht zurück gekommen sind und die Frauen auf sich allein gestellt waren. Aber das ist meine Spekulation.

 

Von meiner Mutter kenne ich den Ruf nach Emanzipazion und Sätze wie: Du musst dich zusammenreißen, Du musst dich anstrengen, Du musst hart sein, um in dieser Welt zu überleben, Du musst für dich selber sorgen, Du musst was schaffen, Du musst die Kontrolle haben ect.

 

Als junges Mädchen habe ich das gelaubt und bin auch genauso geworden: knallhart und diszipliniert wie ein Soldat. Ständig getrieben von der Angst ES nicht zu schaffen, nicht genug zu sein, nicht gut genug zu sein. Schon krankhaft musste ich immer mehr machen, mich immer mehr disziplinieren und hatte immer höhere Ansprüche an mich und das in allen Bereichen.

 

Und immer wieder kam ich an einen Punkt, an dem ich nicht mehr konnte und einfach nur alles hinschmeißen und weg rennen wollte. Ich sehnte mich nach einer Beziehung mit einem Mann, aber wirklich Raum dafür hatte ich gar nicht, denn ich musste ja so viel machen..... Ich fühlte mich einsam und allein, alles war anstrengend und meine Lebensfreude hatte ich längst irgendwo verloren.

 

Bis vor nicht allzulanger Zeit ein weiterer Zusammenbruch kam, der alles veränderte. Wahrscheinlich dank Yoga und Meditation war mein Bewusstsein zumindest so weit entwickelt, dass ich endlich erkennen konnte, dass ich mich da auf eine völlig unnatürliche Weise antreibe und mir mein Leben selber zur Hölle mache.

 

Durch mein ständiges Tun und kontrollieren wollen, nahm ich mir die Möglichkeit mit dem Leben zu fließen. Mir wurde klar, dass ich meine Angst und meine Zweifel durch Vertrauen ersetzen muss, damit ich aufhören kann, die Dinge kontrollieren und lenken zu wollen. Und damit ich mich in den Fluss des Lebens hinein entspannen kann.

 

All das bedeutet Weichheit statt Härte, Hingabe statt Kontrolle, es bedeutet ruhig zu gehen statt zu rennen. All das hört sich für mich viel weiblicher an.

 

Es trieb mir die Tränen in die Augen, als ich erkannte, was ich mir alles verbaut hatte, wie ich mich selbst, mein Leben, meine Partner und schöne Ereignisse nicht genießen konnte, weil ich ständig damit beschäftigt war mich selbst und mein Leben zu optimieren.

 

Das bedeutete zunächst einmal für mich, dass ich mich völlig raus nehmen musste, um erstmal wieder zur Ruhe zu kommen. Einen Nullpunkt zu setzen sozusagen. So ruhig zu werden, dass ich diese sehr leise Stimme aus meinem Herzen hören kann, die mir ganz zaghaft sagt, was meine Seele wirklich möchte.

 

Ich musste mich verletzlich zeigen, unperfekt. Mir eingestehen, dass ich mir eine Persönlichkeit erschaffen hatte, die mit meiner Seele gar nichts zu tun hat und dass ich mich selber gar nicht wirklich kenne.

 

Wer bin ich dann wirklich? Was möchte ich? Für was schlägt mein Herz? Und wie beantworte ich diese Fragen, wenn ich mal alles Müssen und die ganze Angst beiseite lasse? Wie beantworte ich diese Fragen, wenn alles sein dürfte?

 

Dieser Prozess dauert gerade noch an und ich überrasche mich selbst mit dem, was aus mir heraus kommt. Gleichzeitig werden Gedanken- und Verhaltensmuster immer klarer, besonders, wenn ich meinen Eltern zuhöre....

 

Wenn ich als Frau hart bin, diszipliniert und ständig damit zu tun habe, alles mögliche zu kontrollieren, wo bleibt dann der Mann? Ohne das jetzt zu weit ausführen zu wollen: Archetypisch ist die Frau die Liebe und die Weichheit und der Mann der Beschützer. Wenn die Frau die Kontrolle an sich reißt, wird der Mann in seiner Rolle destabilisiert.

 

Und das ist genau das, was sich mir bei Familienaufstellungen aufgefallen ist. In auffällig vielen Familien ist die Mutter sehr aktiv und/oder hart und der Vater passiv, was zu unterschiedlichen Traumatas bei den Kindern führt.

 

Das Jahr 2022 wird wegen der vielen zweier auch als das Jahr der Weiblichkeit bezeichnet. Vielleicht ist es das Jahr, in dem wir viele dieser Traumas heilen können. Jeder bei sich und damit im Kollektiv.

 

Ich glaube, dass Frauen- und Männerheilkreise gerade jetzt in dieser Zeit für viele Menschen wichtig und heilsam sind und dass wir sehr achtsam und sanft mit uns umgehen dürfen – Frauen wie auch Männer.

 

Wir dürfen heilen und wieder Vertrauen fassen in uns, in unsere Beziehungen und in das Leben an sich. So können wir uns neu begegnen und uns erlauben wieder ganz Frau zu sein.

 

Mein Heilmittel ist gerade Kirtan und das Studium der Bhagavat Gita. Denn fast jeder Vers erinnert mich daran, dass ich nicht diejnige bin, die handelt. Und schon gar nicht die, die irgendwas unter Kontrolle hat. Und das ist auch gut so, denn das Göttliche weiß und kann es eh besser. Und meine Aufgabe ist einfach nur, mich dafür zu öffnen und es geschehen zu lassen.

 

Weiterhin möchte ich dieses Jahr an Heilkreisen teilnehmen und vielleicht werde ich sogar welche leiten – das wird sich zeigen.

 

Und ganz wichtig: Mich selbst beobachten, wo ich gerade stehe und was gerade wirklich abgeht, was meine Motive sind. Und muss ich nur eins: Möglichst still werden....

 

Ich möchte alle, die ähliche Ängste fühlen wie ich, die sich manchmal unsicher und verloren fühlen an dieser Stelle ganz herzlich umarmen und dir sagen: Du bist wunderbar! Du bist ein Wunder und richtig, schön und perfekt, so wie du bist! Hör auf, dir irgendetwas anderes zu sagen oder sagen zu lassen! Du bist liebenswert und geliebt und ein Geschenk für diese Welt!

 

Om Shanti,

Deine Gauri Daniela Reich

www.8steps2yoga.de

 

Warum wir leiden: Die 5 Kleshas nach Patanjali

 

07. Dezember 2021 unter www.soyoma.de

 

Wenn wir uns schlecht fühlen, wenn wir leiden, machen wir meistens äußere Umstände dafür verantwortlich. Wir leiden unter dem Verhalten anderer Menschen, bestimmten Situationen oder Umständen.

 

Wie kann es dann aber sein, dass andere Menschen, die in einer ähnlichen Situation stecken, nicht so sehr oder gar nicht darunter leiden? Kann es ein, dass das Leid nicht in der Welt steckt, sondern etwas mit uns selbst zu tun hat?

 

Diese Frage beantwortet und Patanjali im 2. Kapitel des Yoga Sutras (II.3 ff). Seiner Definition nach, gibt es 5 Hauptgründe für menschliches Leid:

 

avidya asmita raga dvesa abhinivesha klesha

Täuschung, falsche Identifikation, Zu- und Abneigung, Angst vor Veränderung/ Tot sind die Kleshas

 

Den ganzen Artikel findest du hier:

Die 5 Kleshas
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Samhain – Beginn des Winters, keltisches Neujahr (31.10. auf 1.11.)

27.10.2021

 

Unsere Vorfahren teilten das Jahr nur in zwei Jahreszeiten ein: Sommer und Winter. Mit Samhain feiern wir den Übergang vom Sommer- zum Winterhalbjahr. Samhain ist eine Rauhnacht, ein besonders mystischer Moment, eine Zeit außerhalb der Zeit, in der die Übergänge zur Anderswelt oder dem Jenseits fließend werden. Wir begehen an Samhain das keltische Neujahr. Die Winternacht beginnt...

Samhain
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Maitri Bhava – Liebende Güte

22. September unter www.soyoma.de

 

Das Sanskrit-Wort maitri bedeutet liebende Güte oder bedingungslose Liebe und geht noch etwas über die Idee von ahimsa (erste Empfehlung den Raja Yoga für den Umgang mit anderen – Harmlosigkeit oder Gewaltlosigkeit) hinaus.

 

Wenn wir maitri üben, reicht es uns nicht, dass wir Anderen keinen Schaden zufügen, sondern wir lassen sie unsere Liebe spüren und helfen ihnen, das Urbedürfnis, das wir alle gleichermaßen haben, zu erfüllen: Glücklich sein und frei von Leid.

 

Dazu gehört, dass ein Mensch sich gesehen, akzeptiert und sicher fühlt. Somit ist jegliche Form von Angriff ausgeschlossen....

Maitri
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Mabon – Die Herbst Tag und Nachtgleiche

21. September 2021

 

Diese Woche feiern wir die Herbst Tag- und Nachtgleiche. Das bedeutet, dass Tag und Nacht gleich lang sind und ab jetzt die Nächte länger sind, als die Tage. Draußen gewinnt die Dunkelheit immer mehr an Raum und wir zünden drinnen die Lichter an.

 

Wie können wir dieses alte Fest und diese Zeit bewusst gestalten?

 

Zu dieser Jahreszeit ist die meiste Ernte bereits eingebracht und früher, als es noch keine ganzjährig gefüllten Supermärkte gab, begann man damit ,Vorräte anzulegen, einzukochen ect., damit die Familie über den Winter kam.

 

Es ist also eine Zeit der Vorbereitung auf die kalte und dunkle Jahreszeit. Gleichzeitig bezeugt man seine Dankbarkeit an Mutter Erde für die Fülle an Nahrung, die sie dieses Jahr wieder bereit gestellt hat. Dass das Vorhandensein von Nahrung nicht selbstverständlich ist, haben die meisten von uns leider vergessen, deshalb ist das Mabon-Fest eine gute Gelegenheit uns daran zu erinnern.

 

In diesem Text beschreibe ich keine traditionellen Rituale, sondern teile lediglich meine ganz eigenen Gedanken zu diesem Thema. Ich finde es nicht nur schön, sondern auch wichtig, dass wir die Feste unserer Vorfahren wieder beleben, denn das stärkt unsere Wurzeln und unsere Verbindung mit den Ahnen und der Natur....

Mabon
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Tapas

22. Juni 2021 unter www.soyoma.de

 

Das Wort Tapas ist ein Begriff im Yoga, der uns im 2. Kapitel des Yoga Sutra von Patanjali mehrmals begegnet. Tapas wird oft übersetzt mit Askese oder Disziplin, was jedoch zu Verwirrung führen kann.

 

Bei Askese denken wir schnell an Yogis, die auf Nagelbrettern liegen oder so lange auf einem Bein stehen oder einen Arm in die Luft halten, bis ihre Körperteile versteifen oder verfaulen. Solche Praktiken sind mit Tapas nicht gemeint. Dies bestätigt uns Krishna im 17. Kapitel der Bhagavad Gita, wenn er sagt, dass der Körper sein Tempel ist und wer den Körper quält, quält auch ihn.

 

Es gibt Menschen, die unter Yoga eine Art Wellness-Programm verstehen, bei dem man sich immer wohl fühlt und entspannt. Natürlich gehört auch Entspannung zum Yoga, „pampern“ schwächt jedoch Körper und Geist. Tapas macht genau das Gegenteil. Durch Tapas werden Körper und Geist gereinigt und gestärkt und werden aufnahmefähig für spirituelle Erfahrungen.

 

Tapas kommt vom Wortstamm tap, was übersetzt kochen oder backen heißt....

Tapas
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Ältere Blogartikel findest Du hier:

 

https://blog.yoga-vidya.de/author/gauri/

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